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<title>Frühe Neuzeit</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Frühe Neuzeit</span></h1>
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<p>Die Begriffe <b>Frühe Neuzeit</b>, <b>Frühneuzeit</b>, <b>Frühmoderne</b> oder <b>Neuere Geschichte</b> bezeichnen in der Geschichte <a href="Europa" title="Europa">Europas</a> üblicherweise das <a href="Zeitalter" title="Zeitalter">Zeitalter</a> zwischen dem <a href="Sp%C3%A4tmittelalter" title="Spätmittelalter">Spätmittelalter</a> (Mitte <a href="13._Jahrhundert" title="13. Jahrhundert">13. Jahrhundert</a> bis Ende <a href="15._Jahrhundert" title="15. Jahrhundert">15. Jahrhundert</a>) und dem Übergang zur <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> um das Jahr <a href="1800" title="1800">1800</a>.
</p><p>Wie bei allen <a href="Periodisierung" title="Periodisierung">Periodisierungen</a> in der <a href="Geschichtswissenschaft" title="Geschichtswissenschaft">Geschichtswissenschaft</a> lassen sich keine exakt datierbaren <a href="Epoche_(Chronologie)" title="Epoche (Chronologie)">Epochengrenzen</a> ziehen. In <a href="Geisteswissenschaften" class="mw-redirect" title="Geisteswissenschaften">geisteswissenschaftlicher</a> Hinsicht gelten das neue <a href="Menschenbild" title="Menschenbild">Menschenbild</a> des <a href="Humanismus" title="Humanismus">Humanismus</a> und die von ihm geprägte <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a>, die als Wiedergeburt der <a href="Antike" title="Antike">Antike</a> verstanden wurde, sowie die Entwicklung des modernen <a href="Buchdruck" title="Buchdruck">Buchdrucks</a> durch <a href="Johannes_Gutenberg" title="Johannes Gutenberg">Johannes Gutenberg</a> und der Beginn der <a href="Reformation" title="Reformation">Reformation</a> 1517 als Beginn der Zeitenwende zwischen <a href="Mittelalter" title="Mittelalter">Mittelalter</a> und <a href="Neuzeit" title="Neuzeit">Neuzeit</a>. Machtpolitisch markante <a href="Z%C3%A4sur_(Geschichte)" title="Zäsur (Geschichte)">Zäsuren</a> waren die <a href="Eroberung_von_Konstantinopel_(1453)" title="Eroberung von Konstantinopel (1453)">Eroberung Konstantinopels 1453</a>, die <a href="Entdeckung_Amerikas_1492" title="Entdeckung Amerikas 1492">„Entdeckung“ Amerikas</a> durch <a href="Christoph_Kolumbus" title="Christoph Kolumbus">Christoph Kolumbus</a> im Jahr 1492, das Ende der <a href="Reconquista" title="Reconquista">Reconquista</a> im selben Jahr, der Beginn der <a href="Italienische_Kriege" title="Italienische Kriege">Italienischen Kriege</a> 1494 und im <a href="Heiliges_R%C3%B6misches_Reich" title="Heiliges Römisches Reich">Heiligen Römischen Reich</a> die <a href="Reichstag_zu_Worms_(1495)" title="Reichstag zu Worms (1495)">Reichsreform</a> von 1495.
</p><p>Das Ende der Frühen Neuzeit wird weitgehend übereinstimmend mit der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">Französischen Revolution</a> (1789–1799) angesetzt, die zugleich das <a href="Zeitalter_der_Aufkl%C3%A4rung" class="mw-redirect" title="Zeitalter der Aufklärung">Zeitalter der Aufklärung</a> abschließt. Das <a href="Ancien_R%C3%A9gime" title="Ancien Régime">Ancien Régime</a> brach nach 1789 zunächst in Frankreich und infolge der <a href="Koalitionskriege" title="Koalitionskriege">Revolutionskriege</a> in fast ganz Europa zusammen. Mit der Auflösung des <a href="Heiliges_R%C3%B6misches_Reich" title="Heiliges Römisches Reich">Heiligen Römischen Reiches</a> auf Druck <a href="Napoleon_Bonaparte" title="Napoleon Bonaparte">Napoleons</a> 1806 endete die Frühe Neuzeit im deutschen Sprachraum. Auf sie folgte die Moderne, die Epoche der <a href="Neuzeit" title="Neuzeit">Neuzeit</a>, die bis in die Gegenwart andauert.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Das_Problem_der_Epocheneinteilung">Das Problem der Epocheneinteilung</h2></div>
<p>Jede <a href="Periodisierung" title="Periodisierung">Periodisierung</a> in der <a href="Geschichtswissenschaft" title="Geschichtswissenschaft">Geschichtswissenschaft</a> ist eine Setzung anhand bestimmter Kriterien mit dem Ziel, das Forschungsfeld zu systematisieren und einen Forschungsgegenstand einzugrenzen und zu klassifizieren. Dadurch ist nur eine Annäherung an die historische Wirklichkeit möglich und es wird eine historische Wirklichkeit im wissenschaftlichen Sinne überhaupt erst konstituiert. Auch die Übergänge vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit einerseits und von dieser zur Moderne andererseits lassen sich daher nicht an einzelnen Jahreszahlen festmachen. Jahreszahlen und bestimmte Ereignisse sind vielmehr nur Markierungen zur Orientierung. Die Epochengrenzen sind fließend und variieren je nachdem, ob beispielsweise eher politische oder sozialgeschichtliche Fragen im Vordergrund stehen sowie welche Regionen und Länder im Blick sind. Viele historische Entwicklungslinien sind überdies von <a href="Longue_dur%C3%A9e" title="Longue durée">langer Dauer</a> und können auch einer bestimmten Periodisierung widersprechen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Beginn_der_Frühen_Neuzeit"><span id="Beginn_der_Fr.C3.BChen_Neuzeit"></span>Beginn der Frühen Neuzeit</h3></div>
<p>Der geistig-kulturelle Aufbruch der Renaissance und des Humanismus, die <a href="Zeitalter_der_Entdeckungen" title="Zeitalter der Entdeckungen">Entdeckungsfahrten</a> der Portugiesen und Spanier, mit denen Anfang des 15. Jahrhunderts die <a href="Europ%C3%A4ische_Expansion" title="Europäische Expansion">Europäische Expansion</a> einsetzte, sowie die <a href="Reformation" title="Reformation">Reformation</a>, die nach 1517 die mittelalterliche Einheit der (West-)Kirche zerstörte – diese drei miteinander zusammenhängenden Entwicklungen markieren in der europäischen Geschichtswissenschaft für gewöhnlich den <i>Beginn der Frühen Neuzeit</i>.
</p><p>Im Allgemeinen gelten Renaissance (Wiederentdeckung der Antike) und <a href="Humanismus" title="Humanismus">Humanismus</a> als Anfang einer Zeitenwende. Mit ihr verbreitete sich ein neues Menschenbild in Europa, in dessen Mittelpunkt das selbstbestimmte Individuum und seine Fähigkeiten standen. In Philosophie, Literatur, Malerei, Bildhauerei, Baukunst und allen anderen kulturellen Bereichen orientierten sich die Menschen wieder an den Formen und Inhalten der Antike. Am frühesten lässt sich diese <a href="Entwicklung" title="Entwicklung">Entwicklung</a> in Italien feststellen, wo sie bereits im 14. Jahrhundert einsetzte, im 15. Jahrhundert in <a href="Florenz" title="Florenz">Florenz</a> zu einer ersten kulturellen Hochblüte gelangte und von wo aus sie sich bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts in ganz Europa verbreitete. Seine Vorreiterrolle verdankte Italien nicht zuletzt der Aufnahme einer großen Zahl griechischer Gelehrter aus <a href="Konstantinopel" title="Konstantinopel">Konstantinopel</a>, das 1453 von den <a href="Osmanisches_Reich" title="Osmanisches Reich">Osmanen</a> erobert worden war. Diese Gelehrten brachten längst verschollen geglaubtes Bildungsgut der Antike mit ins Abendland. Zur gleichen Zeit erfuhr die Verbreitung von Wissen eine ungeheure Beschleunigung durch <a href="Johannes_Gutenberg" title="Johannes Gutenberg">Johannes Gutenbergs</a> Erfindung des <a href="Buchdruck" title="Buchdruck">Buchdrucks</a> mit beweglichen Lettern. Damit wurde eine Wissensakkumulation möglich, die besonders in den Städten zur Entfaltung kam. In den Städten, so vor allem in den großen Reichs- und Hansestädten, waren auch differenzierte Rechts- und Organisationsformen entwickelt worden, die eine große zivilisatorische Wirkung hatten.
</p><p>Die Erfindung des Buchdrucks wiederum verhalf einem Ereignis zum Durchbruch, das insbesondere in Deutschland mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit gleichgesetzt wird: der Reformation. <a href="Martin_Luther" title="Martin Luther">Martin Luther</a> gründete seine <a href="95_Thesen" title="95 Thesen">95 Thesen</a>, die er 1517 veröffentlichte, auf ein genaues Quellenstudium der <a href="Heilige_Schrift" class="mw-redirect" title="Heilige Schrift">Heiligen Schrift</a> in <a href="Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">Griechisch</a> und <a href="Hebr%C3%A4ische_Sprache" title="Hebräische Sprache">Hebräisch</a>, also auf Kenntnissen, die auf den Vorarbeiten der Humanisten des vorherigen Jahrhunderts beruhten.
</p><p>Luther verteidigte seine Thesen 1521 auf dem <a href="Reichstag_zu_Worms_(1521)" title="Reichstag zu Worms (1521)">Wormser Reichstag</a> vor <a href="R%C3%B6misch-deutscher_Kaiser" title="Römisch-deutscher Kaiser">Kaiser</a> <a href="Karl_V._(HRR)" title="Karl V. (HRR)">Karl V.</a>, der ein Reich regierte, „in dem die Sonne nicht unterging“. Denn zu diesem Reich gehörten auch die spanischen Besitzungen in der <a href="Neue_Welt" title="Neue Welt">Neuen Welt</a>, die <a href="Christoph_Kolumbus" title="Christoph Kolumbus">Christoph Kolumbus</a> 1492 entdeckt hatte, im selben Jahr, in dem mit der Eroberung <a href="Granada" title="Granada">Granadas</a> die <a href="Reconquista" title="Reconquista">Reconquista</a> zu Ende gegangen war. Der erste Anstoß zum Zeitalter der Entdeckungen war aus Portugal gekommen: Im Auftrag des Prinzen <a href="Heinrich_der_Seefahrer" title="Heinrich der Seefahrer">Heinrichs des Seefahrers</a> wurden seit 1415 Expeditionen ausgesandt, um einen Seeweg nach Indien zu finden (<a href="Indienhandel" title="Indienhandel">Indienhandel</a>). Dies gelang <a href="Vasco_da_Gama" title="Vasco da Gama">Vasco da Gama</a> 1498. Die Entdeckungen der Portugiesen und der Spanier veränderten und erweiterten das Weltbild des mittelalterlichen Menschen und hatten auch die <a href="Europ%C3%A4ische_Expansion" title="Europäische Expansion">Europäische Expansion</a> über die gesamte Erde zur Folge.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ende_der_Frühen_Neuzeit"><span id="Ende_der_Fr.C3.BChen_Neuzeit"></span>Ende der Frühen Neuzeit</h3></div>
<p>Das Ende der Epoche und der Beginn der <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> wird in der Geschichtswissenschaft weitgehend übereinstimmend mit der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">Französischen Revolution</a> ab 1789 angesetzt. Die Französische Revolution war eine Folge der <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a>, die schon die <a href="Amerikanische_Revolution" title="Amerikanische Revolution">Amerikanische Revolution</a> von 1776 getragen hatte. Aufgrund der Ereignisse von 1789 brach das <a href="Ancien_R%C3%A9gime" title="Ancien Régime">Ancien Régime</a> zunächst in Frankreich und infolge der Revolutionskriege fast in ganz Europa zusammen. In Deutschland kam das vor allem durch die Auflösung des <a href="Heiliges_R%C3%B6misches_Reich" title="Heiliges Römisches Reich">Heiligen Römischen Reiches</a> im Jahr 1806 zum Ausdruck. Trotz der <a href="Restauration_(Geschichte)" title="Restauration (Geschichte)">Restauration</a> der alten Regime nach der Niederlage <a href="Napoleon_Bonaparte" title="Napoleon Bonaparte">Napoleon Bonapartes</a> 1814/15 hatte sich Europa politisch grundlegend gewandelt. Der Historiker Reinhart Koselleck geht davon aus, dass darüber hinausgehend noch weitere Veränderungsprozesse von ungefähr 1750 bis 1850/70 stattfanden. Für diese Übergangszeit von der Frühen Neuzeit zur Moderne prägt er den Begriff der <a href="Sattelzeit" title="Sattelzeit">Sattelzeit</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Epochen_innerhalb_der_Frühen_Neuzeit"><span id="Epochen_innerhalb_der_Fr.C3.BChen_Neuzeit"></span>Epochen innerhalb der Frühen Neuzeit</h3></div>
<p><a href="Christoph_Cellarius" title="Christoph Cellarius">Christoph Cellarius</a> (1638–1707) benutzte erstmals als <a href="Historiograph" class="mw-redirect" title="Historiograph">Historiograph</a> den Begriff der „Neuzeit“ zur Einteilung der Universalhistorie. <a href="Gerhard_Oestreich" title="Gerhard Oestreich">Gerhard Oestreich</a> gilt als einer der Mitschöpfer der „Frühen Neuzeit“ als eigener Fachdisziplin innerhalb der Geschichtswissenschaft. Im Allgemeinen wird der <a href="Zeitalter" title="Zeitalter">Epochenbegriff</a> mit dem Auftreten des <a href="Humanismus" title="Humanismus">Humanismus</a> einerseits und dem Ende des <a href="Ancien_R%C3%A9gime" title="Ancien Régime">Ancien Régime</a> verortet.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Je nach Betrachtungsweise kann die Frühe Neuzeit wiederum in folgende Zeitabschnitte unterteilt werden:
</p>
<ul><li>Anbruch der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> (ca. 1350–1450) (politisch noch zum <a href="Sp%C3%A4tmittelalter" title="Spätmittelalter">Spätmittelalter</a> gerechnet, gehört das Ende kulturgeschichtlich zur beginnenden Frühen Neuzeit)</li>
<li><a href="Zeitalter_der_Entdeckungen" title="Zeitalter der Entdeckungen">Zeitalter der Entdeckungen</a> (1415–1531)</li>
<li><a href="Zeitalter_der_Glaubensspaltung" class="mw-redirect" title="Zeitalter der Glaubensspaltung">Zeitalter der Reformation und der Glaubensspaltung</a> (1517–1648) (<a href="Konfessionalisierung" title="Konfessionalisierung">Konfessionalisierung</a>)</li>
<li>Zeit des <a href="Barock" title="Barock">Barocks</a> („<a href="Absolutismus" title="Absolutismus">Absolutismus</a>“) und der <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a> (ca. 1650–1789)</li>
<li>Ende des Ancien Régime oder Beginn der <a href="Franz%C3%B6sische_Revolution" title="Französische Revolution">Französischen Revolution</a> (1789–1815)</li></ul>
<p>In der angelsächsischen Wissenschaftsterminologie spricht man hingegen von der „Early Modern History“ oder in Bezug auf Europa vom „Early modern Europe“ und beschreibt damit zumeist eine Zeitspanne vom 15. Jahrhundert bis zum späten 18. Jahrhundert. Diesem Periodisierungskonzept liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Zeitraum „zwischen Reformation und französischer Revolution“ als eine Epoche der kulturellen Transformation begriffen werden kann, der aufgrund spezifischer Strukturen und Prozesse sowohl vom <a href="Mittelalter" title="Mittelalter">Mittelalter</a> als auch von der <a href="Moderne" title="Moderne">Moderne</a> abgrenzbar sei.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Erscheinungsformen">Erscheinungsformen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Politik">Politik</h3></div>
<p>In politischer Hinsicht wirkt die Auseinandersetzung zwischen <a href="Protestantismus" title="Protestantismus">Protestantismus</a> und <a href="Katholizismus" title="Katholizismus">Katholizismus</a> für die Frühe Neuzeit prägend, die in den <a href="Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg" title="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährigen Krieg</a> mündet. Die <a href="Konfessionalisierung" title="Konfessionalisierung">Konfessionalisierung</a> führt zu einem tief greifenden Wandel in allen Lebensbereichen, der auch als <a href="Modernisierung_(Soziologie)" title="Modernisierung (Soziologie)">Modernisierungsprozess</a> begriffen werden kann. Die hierbei auftretenden Kämpfe bringen eine Neuordnung in Europa, die <a href="Altgl%C3%A4ubige_(Reformationsgeschichte)" title="Altgläubige (Reformationsgeschichte)">Altgläubige</a> und <a href="Protestanten" class="mw-redirect" title="Protestanten">Protestanten</a> als gleichberechtigte Religionsgemeinschaften anerkennt. Die absolute Vormachtstellung des katholischen Spanien wird schrittweise zurückgedrängt.
</p><p>Zumindest im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation entsteht ein neuer Typus von Staat. Der <a href="Territorialstaat" title="Territorialstaat">Territorialstaat</a> mit einem <a href="Territorialherr" class="mw-redirect" title="Territorialherr">Territorialherrn</a> unterscheidet sich von den mittelalterlichen Gebilden dadurch, dass der <a href="Landesherr" title="Landesherr">Landesherr</a> sich ausschließlich als <a href="Lehnsherr" class="mw-redirect" title="Lehnsherr">Lehnsherr</a> oder <a href="Vasall" title="Vasall">Vasall</a> des <a href="Monarchie" title="Monarchie">Monarchen</a> sah, während der Territorialherr als ein <a href="Souver%C3%A4n" title="Souverän">Souverän</a> seines Landes auftritt.
</p><p>Die prägende Staatsform der Frühen Neuzeit ist der <a href="Absolutismus" title="Absolutismus">Absolutismus</a>. Mit ihm geht eine neue Wirtschaftsform, der <a href="Merkantilismus" title="Merkantilismus">Merkantilismus</a>, einher. Dabei wandelt sich das Selbstverständnis des Monarchen gegenüber seinen Untertanen. Der „Sonnenkönig“ <a href="Ludwig_XIV." title="Ludwig XIV.">Ludwig XIV.</a> von Frankreich vertritt die Ansicht: „<a href="L%E2%80%99%C3%89tat%2C_c%E2%80%99est_moi" class="mw-redirect" title="L’État, c’est moi">L’État, c’est moi</a>“, zu Deutsch: „Der Staat bin ich“. König <a href="Friedrich_II._(Preu%C3%9Fen)" title="Friedrich II. (Preußen)">Friedrich II.</a> von <a href="Preu%C3%9Fen" title="Preußen">Preußen</a> als Vertreter des „aufgeklärten Absolutismus“ versteht sich hingegen als „oberster Diener des Staates“.
</p><p>In die Frühe Neuzeit (und nicht etwa ins Mittelalter) fällt auch die große <a href="Hexenverfolgung" title="Hexenverfolgung">Hexenverfolgung</a>. Nach Forschungen von <a href="Heide_Wunder" title="Heide Wunder">Heide Wunder</a>, aus denen das Konzept des „Arbeitspaares“ hervorgeht, standen in der Frühen Neuzeit die Arbeitswelten von Frau und Mann in der Ehe gleichberechtigt nebeneinander und ergänzten sich gegenseitig. Erst mit dem Entstehen der bürgerlichen Welt begann die Abwertung der häuslichen und Frauenarbeit.
</p><p>Zum Ende dieser Epoche kommen Prozesse der <a href="Demokratisierung" title="Demokratisierung">Demokratisierung</a> der Gesellschaft zum Durchbruch. Das äußert sich am markantesten im <a href="Amerikanischer_Unabh%C3%A4ngigkeitskrieg" title="Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg">Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg</a> und anfangs auch in der Französischen Revolution, die zunächst beide zu republikanischen Neuordnungen der Gesellschaft führen. Während der <a href="Adel" title="Adel">Adel</a> in Frankreich seine gesellschaftlichen Privilegien verliert, wird eine <a href="Demokratie" title="Demokratie">demokratische</a> <a href="Verfassung" title="Verfassung">Verfassung</a> zur schriftlich fixierten Grundlage der Rechtsordnung in den Vereinigten Staaten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Wirtschaftliche_Entwicklung">Wirtschaftliche Entwicklung</h3></div>
<p>Aus wirtschaftlicher Perspektive markierte das Zeitalter der Revolution das Ende des <a href="Feudalismus" title="Feudalismus">Feudalismus</a>, einer Wirtschaftsform, die auf dem <a href="Grundbesitz" class="mw-redirect" title="Grundbesitz">Grundbesitz</a>, besser gesagt der <a href="Grundherrschaft" title="Grundherrschaft">Grundherrschaft</a> des Grundherrn als <a href="Lehnsherr" class="mw-redirect" title="Lehnsherr">Lehnsherr</a> oder <a href="Vasall" title="Vasall">Vasall</a> des Monarchen und deren Besitz leibeigener Bauern beruhte. Weiterhin bedeutet es das Ende des bisherigen Zunft- und Ständewesens in den mittelalterlichen Städten. Die Expansion durch eine verstärkte Seefahrt und der damit verbundenen Entdeckungen führte zu neuen wirtschaftlichen Strukturen im Welthandel (siehe auch <a href="Indienhandel" title="Indienhandel">Indienhandel</a> und <a href="Chinahandel" title="Chinahandel">Chinahandel</a>). Es wurde ersetzt von einem aufkeimenden <a href="Kolonialismus" title="Kolonialismus">Kolonialismus</a> und <a href="%C3%9Cberseehandel" class="mw-redirect" title="Überseehandel">Überseehandel</a> durch die <a href="Gro%C3%9Fmacht" title="Großmacht">Großmächte</a> <a href="Spanien" title="Spanien">Spanien</a>, <a href="Portugal" title="Portugal">Portugal</a>, <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlande</a>, <a href="England" title="England">England</a> und <a href="Frankreich" title="Frankreich">Frankreich</a> und die Entwicklung der <a href="Manufaktur" title="Manufaktur">Manufaktur</a>. Diese Entwicklungen legten das Fundament für <a href="Industrialisierung" title="Industrialisierung">Industrialisierung</a> und <a href="Kapitalismus" title="Kapitalismus">Kapitalismus</a>. Auch der <a href="Silberbergbau" class="mw-redirect" title="Silberbergbau">Silberbergbau</a> hatte eine tiefgreifende Veränderung erfahren. Die Entdeckungen der Silbervorkommen in der „Neuen Welt“ hatten zum Rückgang der traditionellen Zinn- und Silberförderung im <a href="Sachsen" title="Sachsen">sächsisch</a>-<a href="B%C3%B6hmen" title="Böhmen">böhmischen</a> <a href="Erzgebirge" title="Erzgebirge">Erzgebirge</a> bis zum schließlichen Abbruch dieser Förderung geführt. Der Absolutismus brachte eine neue Wirtschaftsform, die des <a href="Merkantilismus" title="Merkantilismus">Merkantilismus</a> mit sich. Der auf dem Handel basierende Kapitalgewinn gibt diesem System seinen Namen, weil der absolutistische Staat in seinen Außenbeziehungen nach kaufmännischen Gesichtspunkten verfuhr. Es gibt hierfür auch die Bezeichnung <a href="Fr%C3%BChkapitalismus" title="Frühkapitalismus">Frühkapitalismus</a>.
</p><p>Eine wesentliche Veränderung hinsichtlich der <a href="Industrialisierung" title="Industrialisierung">Industrialisierung</a> brachte die Erfindung der ersten voll funktionsfähigen Dampfmaschine durch <a href="James_Watt" title="James Watt">James Watt</a> im 18. Jahrhundert mit sich. Dem gingen die Dampfmaschinenkonstruktionen voraus, die bei weitem weniger effizient waren als zum Beispiel die von <a href="Thomas_Newcomen" title="Thomas Newcomen">Thomas Newcomen</a>. Diese führte nicht nur zu einer Revolutionierung nahezu der gesamten Produktionsverhältnisse, insbesondere in der <a href="Stahlindustrie" title="Stahlindustrie">Eisenindustrie</a>, sondern auch der <a href="Verkehrsinfrastruktur" title="Verkehrsinfrastruktur">Verkehrsinfrastruktur</a> durch die Einführung der <a href="Eisenbahn" title="Eisenbahn">Eisenbahn</a> durch <a href="George_Stephenson" title="George Stephenson">George Stephenson</a>, deren Beginn in England in das Jahr 1825 fällt. Dem gingen allerdings auch Versuche der Konstruktion einer Dampflokomotive durch <a href="Richard_Trevithick" title="Richard Trevithick">Richard Trevithick</a> im Jahre 1804 voran, die allerdings nicht an Mängeln der Lokomotiventechnologie, sondern an dem Schienenmaterial scheiterten. In gewisser Weise läutet die Erfindung der Eisenbahn das Ende der Frühen Neuzeit ein.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Wissenschaft">Wissenschaft</h3></div>
<p>Neben diesen Entwicklungen in der allgemeinen Politik markieren die Fortschritte in der Wissenschaft unzweifelhaft einen wesentlichen Unterschied zu den vorangehenden Epochen und geben somit der Epoche ihr charakteristisches Profil.
</p><p>Die Entdeckungen der spanischen und portugiesischen <a href="Seefahrer" class="mw-redirect" title="Seefahrer">Seefahrer</a> <a href="Christoph_Kolumbus" title="Christoph Kolumbus">Christoph Kolumbus</a>, <a href="Amerigo_Vespucci" title="Amerigo Vespucci">Amerigo Vespucci</a>, der dem Kontinent Amerika seinen Namen gab, <a href="Ferdinand_Magellan" title="Ferdinand Magellan">Ferdinand Magellan</a>, <a href="Vasco_da_Gama" title="Vasco da Gama">Vasco da Gama</a> oder <a href="Bartolomeu_Diaz" class="mw-redirect" title="Bartolomeu Diaz">Bartolomeu Diaz</a> erweiterten das seit der Antike bestehende <a href="Eurozentrismus" title="Eurozentrismus">europäische Weltbild</a>, das (von einzelnen, kaum rezipierten Exkursionen wie denen der <a href="Wikinger" title="Wikinger">Wikinger</a> in Amerika abgesehen) lediglich Europa, Afrika nördlich der Sahara und Teile Asiens umfasste. Die Folge war ein Aufschwung in der <a href="Kartografie" title="Kartografie">Kartografie</a>, unter anderen durch <a href="Martin_Behaim" title="Martin Behaim">Martin Behaim</a>, der schon 1492 den ersten <a href="Martin_Behaims_Erdapfel" class="mw-redirect" title="Martin Behaims Erdapfel">Erdglobus</a> geschaffen hatte (natürlich noch ohne Amerika), und <a href="Gerhard_Mercator" title="Gerhard Mercator">Gerhard Mercator</a>. Nach ihm benannt wurde auch die <a href="Mercator-Projektion" title="Mercator-Projektion">Mercator-Projektion</a>, eine winkeltreue <a href="Kartenprojektion" class="mw-redirect" title="Kartenprojektion">Kartenprojektion</a>.
</p><p>Die Neuentdeckungen legten den Grundstein für den Aufbau des spanischen und portugiesischen Weltreiches und nach deren Niedergang im Laufe des 17. Jahrhunderts den für den Aufbau des englischen, niederländischen und französischen Kolonialsystems. Auch die Weltreisen von <a href="James_Cook" title="James Cook">James Cook</a> dürfen hier genannt werden. Auch sie haben uns wesentliche Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Erde gegeben. Zu Cooks Ehre gereicht es auch einen Weg gefunden zu haben, um einer damals gefürchteten Seefahrerkrankheit, dem <a href="Skorbut" title="Skorbut">Skorbut</a>, wirksam zu begegnen.
</p><p>In dieses Zeitalter, welches auch <a href="Zeitalter_der_Entdeckungen" title="Zeitalter der Entdeckungen">Zeitalter der Entdeckungen</a> genannt wird, gehören die Astronomen <a href="Tycho_Brahe" title="Tycho Brahe">Tycho Brahe</a>, <a href="Nikolaus_Kopernikus" title="Nikolaus Kopernikus">Nikolaus Kopernikus</a> und <a href="Johannes_Kepler" title="Johannes Kepler">Johannes Kepler</a>, <a href="Galileo_Galilei" title="Galileo Galilei">Galileo Galilei</a> und <a href="Isaac_Newton" title="Isaac Newton">Isaac Newton</a>. Sie sorgten dafür, dass das <a href="Geozentrisches_Weltbild" title="Geozentrisches Weltbild">geozentrische Weltbild</a> oder <a href="Ptolem%C3%A4isches_Weltbild" class="mw-redirect" title="Ptolemäisches Weltbild">Ptolemäische Weltbild</a> durch ein <a href="Heliozentrisches_Weltbild" title="Heliozentrisches Weltbild">heliozentrisches Weltbild</a> abgelöst wurde. Dieses System wurde letzten Endes auch durch Newtons <a href="Gravitationstheorie" class="mw-redirect" title="Gravitationstheorie">Gravitationstheorie</a> abgestützt.
</p><p>Die Entwicklung der Pendeluhr ab dem Jahr 1657 durch Christiaan Huygens bedeutete einen gewaltigen Fortschritt. Waren mechanische Uhren bis dahin eher seltene, teure Spielzeuge oder Kabinettstücke mit beschränktem Nutzen, gab es nun beinahe plötzlich die Möglichkeit, die Zeit mit einer Abweichung von nur wenigen Sekunden pro Tag zu messen, unabhängig von Sonnenlicht oder Sternen. Astronomen und Geodäten erkannten sofort den enormen Nutzen der Erfindung, da mithilfe einer präzisen Uhr der Längengrad ermittelt werden kann. Das Resultat war eine enorme Genauigkeitssteigerung der Landkarten. Ein Jahrhundert später war auch die tragbare Uhr, im Wesentlichen durch die Arbeit John Harrisons, zur Längengradbestimmung brauchbar, was die Vormachtstellung Englands zur See gefestigt hat.
</p><p>Auch die <a href="Medizin" title="Medizin">Medizin</a> macht in dieser Zeit große Fortschritte. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten zu ihrer Zeit <a href="Paracelsus" title="Paracelsus">Paracelsus</a>, einem Vorläufer der <a href="Pharmazie" title="Pharmazie">Pharmazie</a> bzw. <a href="Bartolomeo_Eustachi" title="Bartolomeo Eustachi">Bartolomeo Eustachi</a>, einer der Mitbegründer der <a href="Wissenschaft" title="Wissenschaft">Wissenschaft</a> der <a href="Anatomie" title="Anatomie">Anatomie</a>.
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Philosophie">Philosophie</h3></div>
<p>Zu den bedeutendsten Philosophen des 16. und 17. Jahrhunderts zählen <a href="Baruch_Spinoza" class="mw-redirect" title="Baruch Spinoza">Spinoza</a>, <a href="Michel_de_Montaigne" title="Michel de Montaigne">Michel de Montaigne</a>, <a href="Ren%C3%A9_Descartes" title="René Descartes">René Descartes</a>, <a href="John_Locke" title="John Locke">John Locke</a>, <a href="Francis_Bacon" title="Francis Bacon">Francis Bacon</a> und <a href="Thomas_Hobbes" title="Thomas Hobbes">Thomas Hobbes</a>. In das 17. und 18. Jahrhundert fällt die <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a>, der sowohl individuelle als auch gesellschaftliche geistige Emanzipationsprozess, der sich gegen eine allein auf dem Glauben an Autoritäten beruhende Denkweise wandte. Je nachdem, auf welchen Aspekt dieses Prozesses man den Schwerpunkt der Betrachtung legt, liegt das Zentrum der Aufklärung im 17. Jahrhundert (Vernunft) oder im 18. Jahrhundert (<a href="Encyclop%C3%A9die_ou_Dictionnaire_raisonn%C3%A9_des_sciences%2C_des_arts_et_des_m%C3%A9tiers" title="Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers">Enzyklopädie</a>, bürgerliche Emanzipation). Diese Periode bereitete letzten Endes die Revolution in Amerika und Frankreich vor. Entscheidend hierfür wird das aufklärerisch geprägte Menschenbild, das in der Losung der Französischen Revolution seinen prägnantesten Ausdruck findet: <i>Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit</i>. Hinsichtlich der Frühaufklärung denkt man zunächst an <a href="Denis_Diderot" title="Denis Diderot">Denis Diderot</a> und <a href="Voltaire" title="Voltaire">Voltaire</a>, <a href="Baron_de_Montesquieu" class="mw-redirect" title="Baron de Montesquieu">Montesquieu</a>, <a href="Jean-Baptiste_le_Rond_d%E2%80%99Alembert" title="Jean-Baptiste le Rond d’Alembert">Jean-Baptiste le Rond d’Alembert</a> oder <a href="Jean-Jacques_Rousseau" title="Jean-Jacques Rousseau">Jean-Jacques Rousseau</a> und damit eher an die <a href="Moralistik" title="Moralistik">Moralisten</a>. Auch die <i>Lehre vom Gesellschaftsvertrag</i> von Rousseau ist eine Frucht dieser Philosophie. Schon hier beginnt sich Kritik am <a href="Absolutismus" title="Absolutismus">Absolutismus</a> zu formieren. Auch denkt man sicher an die Vernunftphilosophie von <a href="Immanuel_Kant" title="Immanuel Kant">Immanuel Kant</a>. Die ersten, die eine Geschichtsphilosophie entwickeln, sind die Vertreter des <a href="Deutscher" class="mw-redirect" title="Deutscher">deutschen Idealismus</a> <a href="Johann_Gottfried_Herder" title="Johann Gottfried Herder">Johann Gottfried Herder</a> und <a href="Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling" title="Friedrich Wilhelm Joseph Schelling">Friedrich Wilhelm Joseph Schelling</a>. Ein weiterer wichtiger Vertreter des deutschen <a href="Idealismus" title="Idealismus">Idealismus</a> ist <a href="Johann_Gottlieb_Fichte" title="Johann Gottlieb Fichte">Johann Gottlieb Fichte</a>. Auch Fichte veröffentlicht zur Lehre vom <a href="Vertragstheorie" title="Vertragstheorie">Gesellschaftsvertrag</a>. Unverkennbar ist Rousseau hierfür Vorbild, dessen Philosophie auf der <a href="Volkssouver%C3%A4nit%C3%A4t" title="Volkssouveränität">Volkssouveränität</a> und dem <a href="Naturrecht" title="Naturrecht">Naturrecht</a> beruht. Fichte und Schelling vertreten auch eine <a href="Naturphilosophie" title="Naturphilosophie">Naturphilosophie</a>. Nicht zu vergessen ist hierbei auch <a href="Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel" title="Georg Wilhelm Friedrich Hegel">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</a>. Dieser ist mit seiner Geschichtsphilosophie ebenfalls einer der Wegweiser des 19. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert existierte auch eine philosophische Ausrichtung zu einem <a href="Rationalismus" title="Rationalismus">Rationalismus</a>, der besonders der englischen <a href="National%C3%B6konomie" class="mw-redirect" title="Nationalökonomie">Nationalökonomie</a> verpflichtet ist. Zu diesen Vertretern zählt <a href="David_Hume" title="David Hume">David Hume</a>, auf dem nicht wenig die Philosophie von Immanuel Kant beruht. Auch <a href="Adam_Smith" title="Adam Smith">Adam Smith</a> zählt als Begründer der Nationalökonomie zu dieser Gruppe.
</p><p>Im 18. Jahrhundert untersuchte <a href="Johann_Joachim_Winckelmann" title="Johann Joachim Winckelmann">Johann Joachim Winckelmann</a> erstmals wissenschaftlich fundiert die Geschichte der Kunst des <a href="Griechische_Antike" class="mw-redirect" title="Griechische Antike">griechischen Altertums</a>. Auf ihn geht letztendlich die gesamte moderne <a href="Klassische_Altertumswissenschaft" title="Klassische Altertumswissenschaft">Klassische Altertumswissenschaft</a> zurück. Auch für das Menschenbild dieser Zeit, die auch mit dem Stichwort „Neuhumanismus“ umschrieben werden kann, ist Winckelmann von Bedeutung. Es ist nicht von ungefähr an den sogenannten <i>Laokoonstreit</i> zwischen <a href="Johann_Gottfried_Herder" title="Johann Gottfried Herder">Johann Gottfried Herder</a> und <a href="Gotthold_Ephraim_Lessing" title="Gotthold Ephraim Lessing">Gotthold Ephraim Lessing</a> zu denken.
</p><p>In <a href="Ostasien" title="Ostasien">Ostasien</a> war die Frühe Neuzeit geprägt durch erste Kontakte mit dem Westen, wenn wir von den früheren Reisen des berühmten Venetianers <a href="Marco_Polo" title="Marco Polo">Marco Polo</a> einmal absehen, deren Authentizität bis heute nicht völlig geklärt ist, einen Niedergang des <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">Buddhismus</a> und ein Wiedererstarken des <a href="Konfuzianismus" title="Konfuzianismus">Konfuzianismus</a>.
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kunst">Kunst</h3></div>
<p>In der Kunst spiegeln sich Zeitgeschmack, Menschenbild und allgemeine Charakteristika einer Gesellschaft und so das dementsprechende Gesellschaftsverständnis einer bestimmten Zeit.
</p><p>Die vorherrschenden Kunststile dieser Epoche vornehmlich in Europa sind <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a> und später <a href="Manierismus" title="Manierismus">Manierismus</a>, <a href="Barock" title="Barock">Barock</a> und <a href="Rokoko" title="Rokoko">Rokoko</a>. Diese sind im Wesentlichen in allen Kunstgattungen vertreten. Zu den bedeutendsten Künstlern der Renaissance zählen <a href="Sandro_Botticelli" title="Sandro Botticelli">Sandro Botticelli</a>, <a href="Leonardo_da_Vinci" title="Leonardo da Vinci">Leonardo da Vinci</a>, der durch genaues Beobachten naturwissenschaftlich arbeitete, <a href="Michelangelo" title="Michelangelo">Michelangelo</a>, <a href="Tizian" title="Tizian">Tizian</a>, der mehrfach Kaiser Karl V. porträtierte, und <a href="Albrecht_D%C3%BCrer" title="Albrecht Dürer">Albrecht Dürer</a>. Für den Barock stehen beispielhaft <a href="Peter_Paul_Rubens" title="Peter Paul Rubens">Peter Paul Rubens</a> und <a href="Rembrandt_van_Rijn" title="Rembrandt van Rijn">Rembrandt</a>.
</p><p>Nebst den Kunststilen dieser Epoche prägte sich in dieser Zeit verstärkt auch ein gewinnorientierter Kunstbetrieb aus. So hatte zum Beispiel <a href="Lucas_Cranach_der_%C3%84ltere" title="Lucas Cranach der Ältere">Lucas Cranach der Ältere</a> eine florierende <a href="Werkstatt" title="Werkstatt">Werkstatt</a>, in der rund 5000 Gemälde entstanden. Es gab Werkstätten, die vorrangig Auftragsarbeiten für Fürstenhöfe oder kirchliche Institutionen ausführten, und solche, die auf private Auftraggeber angewiesen waren.
</p><p>Auch in dieser Zeit gab es eine außereuropäische Kunst. Dazu zählt die Kunst der indianischen Hochkulturen, die erst mit der Landung von <a href="Hern%C3%A1n_Cort%C3%A9s" title="Hernán Cortés">Hernán Cortés</a> und <a href="Francisco_Pizarro" title="Francisco Pizarro">Francisco Pizarro</a> unterging. Einige bedeutende Reste davon sind noch vorhanden. Das betrifft besonders die Kunst und Kultur der <a href="Inka" title="Inka">Inka</a>, der <a href="Maya" title="Maya">Maya</a> und der <a href="Azteken" title="Azteken">Azteken</a>.
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Literatur">Literatur</h3></div>
<p>Was für die Kunst gilt hinsichtlich des Zeitgeschmacks, des Menschenbildes, der allgemeinen Zustände in der Gesellschaft und des Staates und eines dementsprechenden Gesellschaftsverständnisses, trifft ebenso für die Literatur zu. Namentlich in der Aufklärungszeit gilt das ganz besonders, in der die Literatur enge Verbindungen zur Philosophie eingeht. Wichtige Vertreter der französischen Aufklärungsliteratur sind <a href="Voltaire" title="Voltaire">Voltaire</a> und <a href="Denis_Diderot" title="Denis Diderot">Denis Diderot</a>. Zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Literatur gehören für das 18. und beginnende 19. Jahrhundert <a href="Georg_Christoph_Lichtenberg" title="Georg Christoph Lichtenberg">Georg Christoph Lichtenberg</a>, <a href="Gotthold_Ephraim_Lessing" title="Gotthold Ephraim Lessing">Gotthold Ephraim Lessing</a>, <a href="Johann_Wolfgang_Goethe" class="mw-redirect" title="Johann Wolfgang Goethe">Johann Wolfgang Goethe</a>, <a href="Friedrich_Gottlieb_Klopstock" title="Friedrich Gottlieb Klopstock">Friedrich Gottlieb Klopstock</a>, <a href="Friedrich_Schiller" title="Friedrich Schiller">Friedrich Schiller</a>, <a href="Christoph_Martin_Wieland" title="Christoph Martin Wieland">Christoph Martin Wieland</a>, <a href="Heinrich_von_Kleist" title="Heinrich von Kleist">Heinrich von Kleist</a>, <a href="Novalis" title="Novalis">Novalis</a>, <a href="Johann_Gottfried_Herder" title="Johann Gottfried Herder">Johann Gottfried Herder</a>. Die frühe Zeit von Goethe, Schiller und Herder bezeichnet man als den <a href="Sturm_und_Drang" title="Sturm und Drang">Sturm und Drang</a>, die späteren Werke von Goethe und Schiller ordnet man der <a href="Weimarer_Klassik" title="Weimarer Klassik">Weimarer Klassik</a> zu. Wenn hier von Lessing, Goethe und Schiller gesprochen wird, darf der Hinweis nicht fehlen, dass diese Schriftsteller auch eine Reihe Theaterstücke schrieben. Sie nahmen auch aktiv Anteil am zeitgenössischen <a href="Theater" title="Theater">Theater</a> selbst.
</p><p>Auch die Reformationszeit und die Zeit der Glaubenskämpfe hatte ihre typische Literatursprache.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie erschöpfte sich keineswegs mit <a href="Martin_Luther" title="Martin Luther">Luther</a> und seiner Bibelübersetzung. Fraglos leistete Luther mit weiteren Werken hierzu einen wichtigen Beitrag. Gerade in dieser Zeit war die Literatur häufig polemisch. So gab es reformatorische und auch antilutherische Literatur. Häufig hatte sie publizistischen Charakter und kamen als kurze Stücke in <a href="Flugschrift" title="Flugschrift">Flugschriften</a> vor. Man spricht auch von sogenannter Flugschriftenliteratur. Zu wichtigen Vertretern dieser Zeit gehören unter anderem <a href="Hans_Sachs" title="Hans Sachs">Hans Sachs</a> und <a href="Sebastian_Brant" title="Sebastian Brant">Sebastian Brant</a>. In die Zeit des <a href="Drei%C3%9Figj%C3%A4hriger_Krieg" title="Dreißigjähriger Krieg">Dreißigjährigen Krieges</a> gehört <a href="Hans_Jakob_Christoffel_von_Grimmelshausen" title="Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen">Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen</a> und sein <i><a href="Der_abenteuerliche_Simplicissimus" title="Der abenteuerliche Simplicissimus">Abenteuerlicher Simplicissimus</a></i>.
</p><p>In der Frühen Neuzeit liegen unterschiedliche und wichtige Literaturströmungen. Diese lassen sich wie folgt groben Zeiträumen zuordnen: <a href="Barock" title="Barock">Barock</a> von 1600 bis 1720, <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a> von 1730 bis 1800, <a href="Sturm_und_Drang" title="Sturm und Drang">Sturm und Drang</a> von 1765 bis 1785 und <a href="Weimarer_Klassik" title="Weimarer Klassik">Weimarer Klassik</a> von 1786 bis 1805 (bis zum Tod <a href="Friedrich_Schiller" title="Friedrich Schiller">Schillers</a>) oder bis 1832 (bis zum Tod <a href="Johann_Wolfgang_von_Goethe" title="Johann Wolfgang von Goethe">Goethes</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Musik">Musik</h3></div>
<p>Da die Musik eine <a href="Kunstgattung" title="Kunstgattung">Kunstgattung</a> ist, trifft hinsichtlich der Auffassungen zum Menschenbild und dem der Gesellschaft dasselbe zu, was zur Kunst und Literatur bereits gesagt ist.
</p><p>Aus der Reformationszeit sind <a href="Geistliches_Lied" title="Geistliches Lied">Kirchenlieder</a>, die unter anderem Martin Luther selbst geschrieben hat, und die zugehörigen Noten erhalten geblieben. Zu den bekanntesten Komponisten des <a href="Barock" title="Barock">Barock</a> zählen <a href="Heinrich_Sch%C3%BCtz" title="Heinrich Schütz">Heinrich Schütz</a>, <a href="Johann_Sebastian_Bach" title="Johann Sebastian Bach">Johann Sebastian Bach</a> und <a href="Georg_Friedrich_H%C3%A4ndel" title="Georg Friedrich Händel">Georg Friedrich Händel</a>.
</p><p>Gerade für die gesellschaftliche Kultur an den Höfen zur Zeit der Aufklärung ist die Musik ein wichtiger Bestandteil. Von Kaiser <a href="Leopold_II._(HRR)" title="Leopold II. (HRR)">Leopold II.</a> und König <a href="Friedrich_II._(Preu%C3%9Fen)" title="Friedrich II. (Preußen)">Friedrich II. von Preußen</a> ist bekannt, dass sie selbst musizierten und zum Teil auch komponierten. In diesem Zusammenhang zu erwähnen sind <a href="Historischer_Tanz" title="Historischer Tanz">höfische Gesellschaftstänze</a>, für die entsprechende Musikstücke wie das <a href="Menuett" title="Menuett">Menuett</a> komponiert wurden. Gesellschaftstänze insgesamt gibt es seit dem 14. Jahrhundert.
</p><p>Bekannte Musikinstrumente dieser Zeit sind unter anderem <a href="Cembalo" title="Cembalo">Cembalo</a>, <a href="Virginal" title="Virginal">Virginal</a> und <a href="Spinett" title="Spinett">Spinett</a>, <a href="Violine" title="Violine">Violine</a> und <a href="Querfl%C3%B6te" title="Querflöte">Querflöte</a>. Zu den berühmten Musikinstrumentenbauern dieser Zeit gehören die Geigenbauer <a href="Nicola_Amati" title="Nicola Amati">Nicola Amati</a> und <a href="Antonio_Stradivari" title="Antonio Stradivari">Antonio Stradivari</a> sowie der Orgelbauer <a href="Gottfried_Silbermann" title="Gottfried Silbermann">Gottfried Silbermann</a>.
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Mentalität"><span id="Mentalit.C3.A4t"></span>Mentalität</h3></div>
<p>Das Leben des Einzelmenschen in der Frühen Neuzeit war viel stärker als in der Gegenwart eingebettet in ein umfassendes Kollektiv, das sein Handeln und seine Identität maßgeblich bestimmte. Dieses Kollektiv war zusammengesetzt aus der direkten Verwandtschaft, der Hausgemeinschaft, Nachbarn, der Dorfgemeinschaft, Freunden und Handwerksvereinigungen. Das Individuum bestand nur im Kontext mit diesen Einflussgrößen, das Überleben in schweren Zeiten war nur durch die pragmatische Verbindung mit anderen möglich. So ist Solidarität bzw. Geselligkeit das grundlegende Prinzip frühneuzeitlicher Lebensformen. Die wichtigen engen Kontakte und das Zusammenleben verliefen nicht kontinuierlich harmonisch und daher bildeten sich genaue Umgangsregeln, die das weitgehende Funktionieren der Gemeinschaft gewährleisten sollten. Die Missachtung dieser Regeln führte zu Sanktion und Ausgrenzung. Der Integriertheit in die Gemeinschaft sowie dem Ansehen und der Position, die man einnahm, lag der Begriff der Ehre zugrunde. In kaum einer anderen Gesellschaft spielte diese eine so große Rolle wie in der Frühen Neuzeit. Ziel jeglichen Handelns war es, diesem Ideal gerecht zu werden und ein ehrenvolles Leben zu führen. Dieses Ansinnen besaß einen höheren Stellenwert als die Anhäufung von Vermögen, Macht oder das Überleben allein. Ehrenhaftigkeit war ein Maßstab, der sich in zahlreichen Facetten des Lebens und Alltags in der Frühen Neuzeit widerspiegelt, aber explizit nur in Konfliktsituationen hervortrat und Solidarität und Ausgrenzung schuf. Wer sich ehrenwidrig verhielt, wurde sanktioniert und auch von der Gemeinschaft ausgeschlossen.
</p><p>Ehre variierte abhängig von ständischem Recht und <a href="Ethos" title="Ethos">Ethos</a>. Jeder <a href="St%C3%A4ndeordnung" class="mw-redirect" title="Ständeordnung">Stand</a> hatte seine eigene Ehre. Die soziale Ehre sicherte den Stand des Einzelnen und schützte ihn gegen Angriffe; außerhalb eines Standes gab es weder Recht noch Ehre. Neben dieser Gruppenehre gab es eine persönliche Ehre. Besonders stark ausgeprägt war das Ehrgefühl und das Ehrverständnis beim Adel und Handwerk.
Ehre war ein Mittel zur sozialen Absicherung und Abschottung nach unten und der Herstellung von <a href="Solidarit%C3%A4t" title="Solidarität">Solidarität</a>. Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts erfolgten zwei Einschnitte, die die Legitimität der ständischen Ehre in Frage stellten. Zum einen wurde für die höfische Ehre die Stellung des Adeligen zum Hof maßgebend, nicht mehr allein sein Stand, zum anderen kam in der <a href="Aufkl%C3%A4rung" title="Aufklärung">Aufklärung</a> die Idee der inneren Ehre, der Tugendhaftigkeit, ins Spiel.
</p><p>Ehre musste kontinuierlich aufrechterhalten werden und konnte jederzeit direkt oder indirekt verloren gehen. Streitereien um die Ehre bildeten die Mehrzahl der Konflikte in der städtischen und ländlichen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang sind die zahlreichen Raufhändel in der Frühen Neuzeit zu erwähnen, in denen es um den Schutz oder die Wiedererlangung von Ehre ging. Ob man sich um Besitz oder Rechte stritt – immer ging es um die Ehre. Auch wer den sozialen Unterschichten angehörte, achtete nicht weniger als ein Adeliger auf den Erhalt seiner Ehre, zumal das Kapital an Ehre möglicherweise der einzige Besitz war. Beschimpfungen waren in der Frühen Neuzeit keine Nebensächlichkeiten, sondern waren fast existenzieller Natur. Sie beschädigten die beschimpfte Person und konnten die individuelle Situation des Beschimpften deutlich negativ beeinflussen. Auf Beleidigungen musste deshalb reagiert werden, um dem Angriff auf die Ehre standzuhalten und seine Ehre zu verteidigen. Manchmal wurden scharfe Blicke als Angriff auf die Ehre empfunden und das Schnipsen mit den Fingern vor dem Gesicht des Gegners konnte eine Schlägerei auslösen.
</p><p>Diese wichtige Rolle, die der Ehre zukam, schuf das Phänomen der Unehrlichkeit. Unter Unehrlichkeit ist in diesem Zusammenhang keine moralische Kategorie, sondern eine rechtliche Zurücksetzung bestimmter Berufe, verbunden mit sozialer Distanzierung und Verachtung, zu verstehen. Ehrlose Leute waren nicht vollkommen rechtlos, aber sie hatten wenig Chancen das <a href="B%C3%BCrgerrecht" title="Bürgerrecht">Bürgerrecht</a> zu erlangen und in die ständisch-bürgerliche Ehre einer Stadt integriert zu werden. Einzelne Tätigkeiten, Berufe und Stände wurden als unehrlich stigmatisiert, im Allgemeinen aus dem Bestreben der Handwerker, ihr Handwerk mit ehrbarer <a href="Arbeit_(Philosophie)" title="Arbeit (Philosophie)">Arbeit</a> und untadeligem Verhalten von vermeintlich unredlichen, unsauberen und unehrlichen Elementen rein zu halten. Als ehrlos betrachtet wurden zunächst alle <a href="Unehelich" class="mw-redirect" title="Unehelich">unehelich</a> geborenen Menschen. Des Weiteren wurden alle ausgegrenzt, die von „<a href="Wenden" title="Wenden">Wenden</a>“, <a href="Juden" title="Juden">Juden</a> oder „<a href="Zigeuner" title="Zigeuner">Zigeunern</a>“ abstammten. Daneben wurde die gesamte Gruppe der „fahrenden Leute“ als unehrlich angesehen: Bettler, Spielleute, Schausteller, Kleinhändler und Hausierer. Diese Personengruppen wurden vom ehrlichen Handwerk sowie vom Eintritt in eine <a href="Gilde_(Kaufleute)" class="mw-redirect" title="Gilde (Kaufleute)">Gilde</a> oder <a href="Zunft" title="Zunft">Zunft</a> ausgeschlossen. Die Zahl der „fahrenden Leute“ war im 16. Jahrhundert beträchtlich. Daneben gab es auch Menschen, die durch unehrliches Verhalten ihren Ruf verloren haben und ausgegrenzt wurden. Es gab überdies viele <a href="Unehrliche_Berufe" class="mw-redirect" title="Unehrliche Berufe">unehrliche Berufe</a>; hierzu zählten u. a. der <a href="Barbier" title="Barbier">Barbier</a>, <a href="Sch%C3%A4ferei" title="Schäferei">Schäfer</a>, <a href="M%C3%BCller_(Berufsbezeichnung)" class="mw-redirect" title="Müller (Berufsbezeichnung)">Müller</a>, <a href="Z%C3%B6llner_(Beruf)" title="Zöllner (Beruf)">Zöllner</a>, <a href="Pfeifer_(Musikant)" title="Pfeifer (Musikant)">Pfeifer</a>, <a href="Bader" title="Bader">Bader</a>, <a href="Scharfrichter" title="Scharfrichter">Scharfrichter</a> und <a href="Abdecker" title="Abdecker">Abdecker</a>, denen aus verschiedenen Gründen die Ehrenhaftigkeit abgesprochen wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Leibesübungen_und_Sport"><span id="Leibes.C3.BCbungen_und_Sport"></span>Leibesübungen und Sport</h3></div>
<p>Leibesübungen wurden wie in der Antike in der gesamten Breite der Verwertungszusammenhänge praktiziert und erkundet.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das moderne Denken zeigte sich in der Ausformulierung des Regelwerks, in der Anwendung der Naturwissenschaften und der Mathematik (vor allem der Geometrie) auf den Sport. Leibesübungen wurden zum Zwecke der Gesundheit, des Kriegshandwerks, der Selbstverteidigung oder einfach als Wettkampfsport betrieben.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das sich wandelnde Körperverständnis zeigte sich auch im Tanz und weiteren Körperpraktiken.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Grundlagen der <i>medizinischen Gymnastik</i> wurden in dieser Zeit gelegt<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und entwickelten sich weiter zur <a href="Physiotherapie" title="Physiotherapie">Physiotherapie</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur_2">Literatur</h2></div>
<ul><li><i><a href="Enzyklop%C3%A4die_der_Neuzeit" title="Enzyklopädie der Neuzeit">Enzyklopädie der Neuzeit</a>.</i> 16 Bände. J.B. Metzler, Stuttgart 2005–2012.</li>
<li><a href="Wolfgang_Behringer" title="Wolfgang Behringer">Wolfgang Behringer</a>: <i>Der große Aufbruch. Globalgeschichte der frühen Neuzeit.</i> C. H. Beck, München 2023, ISBN 978-3-406-78344-9.</li>
<li><a href="Richard_van_D%C3%BClmen" title="Richard van Dülmen">Richard van Dülmen</a>: <i>Die Entdeckung des Individuums. 1500–1800.</i> Fischer, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-60122-3.</li>
<li>Richard van Dülmen: <i>Gesellschaft der Frühen Neuzeit. Kulturelles Handeln und sozialer Prozess</i> (= <i>Kulturstudien.</i> Bd. 28). Böhlau, Wien 1993, ISBN 3-205-98003-4.</li>
<li><a href="Birgit_Emich" title="Birgit Emich">Birgit Emich</a>: <i>Geschichte der Frühen Neuzeit studieren.</i> UVK, Konstanz 2006, ISBN 3-8252-2709-X.</li>
<li><a href="Robert_von_Friedeburg" title="Robert von Friedeburg">Robert von Friedeburg</a>: <i>Europa in der frühen Neuzeit</i> (= <i><a href="Neue_Fischer_Weltgeschichte" class="mw-redirect" title="Neue Fischer Weltgeschichte">Neue Fischer Weltgeschichte</a>.</i> Bd. 5). Fischer, Frankfurt am Main 2012.</li>
<li>Mark Greengrass: <i>Das verlorene Paradies. Europa 1517–1648.</i> Theiss, Darmstadt 2018.</li>
<li><a href="Leonhard_Horowski" title="Leonhard Horowski">Leonhard Horowski</a>: <i>Das Europa der Könige. Macht und Spiel an den Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts.</i> Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2017, ISBN 978-3498028350.</li>
<li>Andreas Keller: <i>Frühe Neuzeit. Das rhetorische Zeitalter.</i> Akademie, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004399-9 (Literaturgeschichte, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.hsozkult.de/hfn/publicationreview/id/rezbuecher-11912">Rezension</a>).</li>
<li><a href="Thomas_Maissen" title="Thomas Maissen">Thomas Maissen</a>: <i>Geschichte der Frühen Neuzeit.</i> Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65472-5 (Bibliographische Hinweise, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=xYQUAgAAQBAJ&pg=PA125">S. 125</a>).</li>
<li><a href="Ilja_Mieck" title="Ilja Mieck">Ilja Mieck</a>: <i>Europäische Geschichte der frühen Neuzeit. Eine Einführung.</i> 6., verbesserte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1998, ISBN 3-17-015414-1.</li>
<li><a href="Paul_M%C3%BCnch_(Historiker)" title="Paul Münch (Historiker)">Paul Münch</a>: <i>Lebensformen in der frühen Neuzeit. 1500–1800.</i> Ullstein, Berlin 1998, ISBN 3-548-26520-0.</li>
<li><a href="Helmut_Neuhaus" title="Helmut Neuhaus">Helmut Neuhaus</a> (Hrsg.): <i>Die Frühe Neuzeit als Epoche</i> (= <i><a href="Historische_Zeitschrift" title="Historische Zeitschrift">Historische Zeitschrift</a>.</i> Beiheft 49). Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59087-6 (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-2-004">Rezension</a>).</li>
<li><a href="Olwen_Hufton" title="Olwen Hufton">Olwen Hufton</a>: <i>The Prospect Before her: A History of Women in Western Europe: 1500–1800.</i> London 1995.</li></ul>
<dl><dd><dl><dd>Übersetzung: <i>Frauenleben: Eine europäische Geschichte. 1500–1800.</i> Aus dem Englischen von Holger Fliessbach. Fischer, Frankfurt 1998.</dd></dl></dd></dl>
<ul><li><a href="Wolfgang_Reinhard" title="Wolfgang Reinhard">Wolfgang Reinhard</a>: <i>Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415–2015.</i> Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-68718-1.</li>
<li>Wolfgang Reinhard (Hrsg.): <i>Geschichte der Welt. Weltreiche und Weltmeere 1350–1750</i> (= <i>Die Geschichte der Welt.</i> Hrsg. von <a href="J%C3%BCrgen_Osterhammel" title="Jürgen Osterhammel">Jürgen Osterhammel</a>, <a href="Akira_Iriye" class="mw-redirect" title="Akira Iriye">Akira Iriye</a>. Bd. 3). Beck / Harvard University Press, München 2014, ISBN 978-3-406-64103-9.</li>
<li><a href="Heinz_Schilling_(Historiker)" title="Heinz Schilling (Historiker)">Heinz Schilling</a>: <i>Die neue Zeit. Vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten, 1250 bis 1750.</i> Siedler, Berlin 1999, ISBN 3-88680-440-2.</li>
<li><a href="Karl_Vocelka" title="Karl Vocelka">Karl Vocelka</a>: <i>Frühe Neuzeit 1500–1800</i> (= <i>UTB-Basics.</i> Bd. 2833). UVK, Konstanz 2013, ISBN 978-3-8252-2833-0.</li>
<li>Anette Völker-Rasor (Hrsg.): <i>Frühe Neuzeit.</i> Oldenbourg, München 2000, ISBN 3-486-56426-9.</li>
<li><a href="Heide_Wunder" title="Heide Wunder">Heide Wunder</a>: <i>Er ist die Sonn’, sie ist der Mond. Frauen in der frühen Neuzeit.</i> Beck, München 1992, ISBN 3-406-36665-1 (Standardwerk zur Geschlechtergeschichte).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Early_modern_period?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Frühe Neuzeit</a></span></b> – Sammlung von Bildern und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=7503866-3">Literatur von und über Frühe Neuzeit</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.historicum.net/">historicum.net – geschichtswissenschaftliche Informationsangebote im Internet</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://webhistoriker.de/">Portal zur Geschichte der Frühen Neuzeit</a> (private Seite)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.enzyklopaedie-der-neuzeit.de/">Enzyklopädie der Neuzeit</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://iefn.univie.ac.at/">Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit</a> Wien</li>
<li><a href="Gerd_Schwerhoff" title="Gerd Schwerhoff">Gerd Schwerhoff</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://tu-dresden.de/gsw/phil/ige/fnz/ressourcen/dateien/startseite/fnz_profil?lang=de"><i>Frühe Neuzeit. Zum Profil einer Epoche.</i></a> PDF, 2001.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Zur Periodisierungsproblematik vgl. <a href="Friedrich_Jaeger_(Historiker)" title="Friedrich Jaeger (Historiker)">Friedrich Jaeger</a>: <i>Neuzeit.</i> In: <i><a href="Enzyklop%C3%A4die_der_Neuzeit" title="Enzyklopädie der Neuzeit">Enzyklopädie der Neuzeit</a>.</i> Band 9. Stuttgart/Weimar 2009, Sp. 158–181, hier Sp. 161 ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Walter Achilles: <i>Landwirtschaft in der Frühen Neuzeit.</i> Bd. 10, Enzyklopädie deutscher Geschichte, Oldenbourg Verlag, München 1991, ISBN 3-486-70187-8, S. 1</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Dagmar Klose, Marco Ladewig (Hrsg.): <i>Die Herausbildung moderner Strukturen in Gesellschaft und Staat der Frühen Neuzeit.</i> Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2010, ISBN 978-3-86956-013-7 <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/3938/file/phdl05.pdf">[1]</a></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. für den deutschsprachigen Raum auch Frédéric Hartweg, Klaus-Peter Wegera: <i>Frühneuhochdeutsch. Eine Einführung in die deutsche Sprache des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit.</i> Niemeyer, Tübingen 1989 (= <i>Germanistische Arbeitshefte</i>, Band 33); 2. Auflage ebenda 2005, ISBN 3-484-25133-6.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Werner Körbs: <i>Vom Sinn der Leibesübungen zur Zeit der italienischen Renaissance.</i> 2. Auflage. Hrsg. von <a href="Wolfgang_Decker_(Sporthistoriker)" title="Wolfgang Decker (Sporthistoriker)">Wolfgang Decker</a>. Mit einem Geleitwort von <a href="Christiane_Stang-Vo%C3%9F" title="Christiane Stang-Voß">Christiane Stang-Voß</a>. – [Nachdr. der Ausg.] Berlin 1938. Weidmann, Hildesheim 1988, ISBN 3-615-00037-4.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Arnd_Kr%C3%BCger" title="Arnd Krüger">Arnd Krüger</a>, <a href="John_McClelland_(Kulturhistoriker)" title="John McClelland (Kulturhistoriker)">John McClelland</a> (Hrsg.): <i>Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance.</i> Arena, London 1984 <br> John McClelland: <i>Body and Mind: Sport in Europe from the Roman Empire to the Renaissance</i> (Sport in the Global Society). Routledge, London 2007. Die umfangreichste Bibliographie noch immer bei Arnd Krüger, John McClelland: <i>Ausgewählte Bibliographie zu Leibesübungen und Sport in der Renaissance.</i> In: A. Krüger, J. McClelland (Hrsg.): <i>Die Anfänge des modernen Sports in der Renaissance.</i> Arena, London 1984, S. 132–180.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Jean-Claude Margolin, Jean Ceard, Marie-Madeleine Fontaine (Hrsg.): <i>Le Corps à la Renaissance: actes du XXXe colloque de Tours 1987.</i> Aux amateurs de livres, Paris 1990, ISBN 2-87841-022-X; John McClelland, Brian Merrilees (Hrsg.): <i>Sport and culture in early modern Europe. Le sport et la civilisation de l'Europe pré-moderne</i>. Centre for Reformation and Renaissance Studies, Toronto 2009, ISBN 978-0-7727-2052-8.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedrich Boerner: De Arte Gymnastica Nova. Diss Helmstedt 1748.</span>
</li>
</ol>
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